PISA 2025
Die OECD-Studie PISA (Programme for International Student Assessment) liefert seit dem Jahr 2000 regelmäßig international vergleichbare Daten zu den Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern im Alter von 15 bzw. 16 Jahren in den Bereichen Lesen, Mathematik sowie Naturwissenschaft.
Bei PISA 2025, dem insgesamt achten Durchgang der Studie, lag der Schwerpunkt auf der Naturwissenschaftskompetenz. Ergänzt wurde die Erhebung mit der innovativen Domäne "Lernen in der digitalen Welt", in deren Rahmen die Kompetenzen in "computergestütztem Problemlösen" erhoben wurden.
Eine zentrale Fragestellung der PISA-Studie ist, wie gut es den unterschiedlichen Schulsystemen gelingt, Schülerinnen und Schülern auf die Herausforderungen der Zukunft und das "lebenslange Lernen" vorzubereiten. Die Ergebnisse der Studie dienen den Teilnahmeländern als Grundlage für schulpolitische Entscheidungen sowie zur Beurteilung der Effektivität des jeweiligen Bildungssystems. Neben den kognitiven Leistungen wurden mithilfe von Fragebögen für Schülerinnen und Schüler sowie Schulleiterinnen und Schulleiter wichtige Kontextinformationen erhoben, die im Zusammenhang mit den Schülerleistungen stehen (z. B. Einstellung zu Naturwissenschaft, verfügbare Ressourcen an der Schule, demografische Daten etc.).
Download-Hinweis
Berichte und Daten zur internationalen Studie PISA 2025 finden Sie im Materialienbereich der IQS-Website:
An der Studie PISA 2025, die in einem mehrwöchigen Testfenster im Frühjahr 2025 stattfand, nahmen weltweit 91 Länder, darunter alle 38 OECD-Länder sowie alle 27 EU-Länder teil. In Österreich wurden per Zufallsstichprobe 6.987 Schülerinnen und Schüler an 256 Schulen getestet.
In Österreich wurde die Studie vom Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen (IQS) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung (BMB) durchgeführt. Die Resultate der Studie mit Fokus auf den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Österreich sind im Ergebnisbericht zu PISA 2025 zusammengefasst.
Österreich im internationalen Vergleich
PISA erhebt die Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft. Da PISA regelmäßig stattfindet (zuletzt 2022), erlaubt PISA zusätzlich ein Beobachten von Entwicklungen der Schülerkompetenzen in diesen Domänen im längerfristigen Zeitverlauf.
Kurzüberblick – Ergebnisse in Österreich
- In der Hauptdomäne Naturwissenschaft erzielen die getesteten Schülerinnen und Schüler 497 Punkte und liegen damit praktisch bedeutsam über dem OECD-Schnitt (482) und dem EU-Schnitt (476).
- In Lesen liegen die Schülerinnen und Schüler mit 467 Punkten signifikant über dem OECD-Schnitt und (461) praktisch bedeutsam über dem EU-Schnitt (451).
- In Mathematik erzielen die Schülerinnen und Schüler 477 Punkte und liegen damit praktisch bedeutsam über dem OECD-Schnitt (463) und EU-Schnitt (460).
- 9 % (Naturwissenschaft) bzw. 5 % (Lesen) und 8 % (Mathematik) der Schülerinnen und Schüler gehören zur leistungsstarken Gruppe.
- Zur leistungsschwachen Gruppe zählen 21 % (Naturwissenschaft) bzw. 28 % (Lesen und Mathematik) der Schülerinnen und Schüler.
- Kein Geschlechterunterschied in Naturwissenschaft. In Lesen sind die Mädchen besser (+26 Punkte), in Mathematik die Burschen (+23 Punkte).
- Die computergestützte Problemlösekompetenz der Schülerinnen und Schüler in Österreich liegt mit 509 Punkten signifikant über dem OECD-Schnitt (500) und praktisch bedeutsam über dem EU-Schnitt (492).
Kompetenzen und Kompetenzentwicklung
Bei PISA 2025 liegen die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Österreich in Naturwissenschaft und Mathematik praktisch bedeutsam über dem OECD-Schnitt. In Lesen und computergestütztem Problemlösen ist der Vorsprung zwar signifikant, aber nicht praktisch bedeutsam. Im EU-Vergleich liegt Österreich in allen vier Kompetenzbereichen praktisch bedeutsam über dem Mittelwert der EU-Länder.
In Lesen und Mathematik sind die Kompetenzen im Vergleich zu PISA 2015 sowohl in Österreich als auch im OECD- und EU-Schnitt zurückgegangen. In Naturwissenschaft haben sich die Kompetenzen in diesem Zeitraum in Österreich nicht verändert, während sie im OECD- und EU-Schnitt auch in dieser Domäne zurückgegangen sind.
Naturwissenschaft
In Naturwissenschaft erreichen die Schülerinnen und Schüler in Österreich 497 Punkte. Sie liegen damit praktisch bedeutsam über dem OECD- und EU-Schnitt (+15 bzw. +21 Punkte).
In Österreich zählen 9 % der Schülerinnen und Schüler in Naturwissenschaft zur leistungsstarken Gruppe und 21 % zur leistungsschwachen Gruppe. Im OECD-Schnitt betragen die entsprechenden Anteile 7 % (leistungsstark) bzw. 26 % (leistungsschwach). Ähnlich sind die Anteile im EU-Schnitt: 6 % leistungsstark und 27 % leistungsschwach. Unter den 43 OECD-/EU-Ländern reiht sich Österreich in Bezug auf die Höhe des Anteils in der leistungsstarken Gruppe im oberen Länderdrittel ein und im unteren Länderdrittel, wenn es um die Höhe des Anteils in der leistungsschwachen Gruppe geht.
In Naturwissenschaft haben sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Österreich sowohl im Langzeitvergleich (PISA 2015 – PISA 2025; +2 Punkte) als auch im Kurzzeitvergleich (PISA 2022 – PISA 2025; +6 Punkte) nicht signifikant verändert. Das Kompetenzniveau in Österreich bleibt nicht nur im Gesamtmittel stabil, sondern auch im Hinblick auf das Abschneiden der stärksten und schwächsten 5 % der Schülerinnen und Schüler. In beiden Gruppen sind die Veränderungen zwischen 2015 und 2025 sowie zwischen 2022 und 2025 im nicht signifikanten Bereich. Darüber hinaus haben sich die Anteile der Schülerinnen und Schüler in der leistungsstarken sowie in der leistungsschwachen Gruppe in Österreich in den letzten zehn Jahren nicht signifikant verändert: jeweils 6 bis 9 % zählen zur leistungsstarken und 21 bis 23 % zur leistungsschwachen Gruppe.
Lesen
In Lesen erreichen die Schülerinnen und Schüler in Österreich 467 Punkte. Sie liegen damit signifikant, aber nicht praktisch bedeutsam, über dem OECD-Schnitt (+6 Punkte) und praktisch bedeutsam über dem EU-Schnitt (+16 Punkte).
In Österreich zählen 5 % der Schülerinnen und Schüler in Lesen zur leistungsstarken Gruppe und 28 % zur leistungsschwachen Gruppe. Im OECD-Schnitt betragen die entsprechenden Anteile 6 % (leistungsstark) bzw. 31 % (leistungsschwach) und im EU-Schnitt sind es 4 % in der leistungsstarken bzw. 34 % in der leistungsschwachen Gruppe.
In Lesen haben sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Österreich sowohl im Langzeitvergleich (PISA 2015 – PISA 2025; -18 Punkte) als auch im Kurzzeitvergleich (PISA 2022 – PISA 2025; -13 Punkte) signifikant verringert. Signifikante Rückgänge zeigen sich auch im OECD-Schnitt (-28 Punkte von 2015 auf 2025 und -15 Punkte von 2022 auf 2025) sowie im EU-Schnitt (-36 Punkte von 2015 auf 2025 und -21 Punkte von 2022 auf 2025).
Nachdem der Mittelwert der Lesekompetenz in Österreich zwischen 2015 und 2022 in etwa auf dem gleichen Niveau zwischen 480 und 485 Punkten lag, ist mit PISA 2025 erstmals ein deutlicher Kompetenzrückgang auf 467 Punkte zu verzeichnen. Im OECD-/EU-Vergleich weisen neben Österreich weitere 36 Länder bei PISA 2025 signifikant niedrigere Mittelwerte in Lesen auf als noch bei PISA 2015. Auch im Vergleich zur letzten PISA-Erhebung im Jahr 2022 ergibt sich ein ähnliches Bild: Österreich und weitere 31 Länder zeigen einen signifikanten Kompetenzrückgang, acht Länder halten ihr Niveau und nur die Türkei erzielt einen signifikanten Kompetenzzuwachs (+16 Punkte).
Ein insgesamt rückläufiges Kompetenzniveau in Lesen lässt sich auch mit Blick auf das Abschneiden der leistungsschwächsten bzw. -stärksten Jugendlichen in Österreich feststellen. Während der Kompetenzwert, den die schwächsten 5 % maximal erreichen, im Kurz- und Langzeitvergleich relativ stabil geblieben ist, hat sich der maximale Kompetenzwert, den die stärksten 5 % mindestens erreichen, im Kurz- und Langzeitvergleich deutlich verringert (-20 bzw. -16 Punkte). Darüber hinaus zeigt sich, dass in Österreich der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die zur leistungsschwachen Gruppe zählen, im Zehnjahresvergleich signifikant gestiegen ist (von 23 auf 28 %), während sich der Anteil in der leistungsstarken Gruppe im gleichen Zeitraum kaum verändert hat (von 7 auf 5 %).
Mathematik
In Mathematik liegen die Schülerinnen und Schüler in Österreich mit 477 Punkten – wie in Naturwissenschaft – praktisch bedeutsam über dem OECD- und EU-Schnitt (+14 bzw. +17 Punkte).
In Österreich zählen 8 % der Schülerinnen und Schüler in Mathematik zur leistungsstarken Gruppe und 28 % zur leistungsschwachen Gruppe. Im OECD-Schnitt betragen die entsprechenden Anteile 8 % (leistungsstark) bzw. 35 % (leistungsschwach). Ähnlich sind die Anteile im EU-Schnitt: 7 % leistungsstark und 35 % leistungsschwach. Im OECD- und EU-Schnitt befinden sich annähernd gleich viele Schülerinnen und Schüler in der leistungsstarken Gruppe wie in Österreich; die leistungsschwache Gruppe ist im OECD- und EU-Schnitt jeweils etwas größer als in Österreich.
In Mathematik haben sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Österreich sowohl im Langzeitvergleich (PISA 2015 – PISA 2025; -20 Punkte) als auch im Kurzzeitvergleich (PISA 2022 – PISA 2025; -10 Punkte) signifikant verringert. Signifikante Rückgänge zeigen sich auch im OECD-Schnitt (-22 Punkte von 2015 auf 2025 und -9 Punkte von 2022 auf 2025) sowie im EU-Schnitt (-28 Punkte von 2015 auf 2025 und -14 Punkte von 2022 auf 2025).
Während der Mittelwert der Mathematikkompetenz in Österreich bei PISA 2015 noch bei 497 Punkten lag, zeigt sich mit 487 Punkten bei PISA 2022 und 477 Punkten bei PISA 2025 ein deutlicher Abwärtstrend. Im OECD-/EU-Vergleich weisen neben Österreich weitere 32 Länder bei PISA 2025 signifikant niedrigere Mittelwerte in Mathematik auf als noch bei PISA 2015. Acht Länder können ihr Niveau im Langzeitvergleich halten und lediglich der Türkei gelingt es, einen signifikanten Kompetenzzuwachs (+41 Punkte) zu erzielen. Im Vergleich zur letzten PISA-Erhebung im Jahr 2022 zeigen Österreich und weitere 24 Länder einen signifikanten Kompetenzrückgang, 15 Länder halten ihr Niveau und nur die Türkei erzielt einen signifikanten Kompetenzzuwachs (+8 Punkte).
Ein rückläufiges Kompetenzniveau in Mathematik lässt sich auch mit Blick auf das Abschneiden der leistungsschwächsten bzw. -stärksten Jugendlichen in Österreich feststellen. Im Kurz- und Langzeitvergleich ist der Kompetenzwert, den die schwächsten 5 % maximal erreichen, um neun bzw. 14 Punkte (nicht signifikant) gesunken, während sich der maximale Kompetenzwert, den die stärksten 5 % mindestens erreichen, gerade im Langzeittrend mit 22 Punkten Differenz deutlich verringert hat. Darüber hinaus zeigt sich – ähnlich wie in Lesen – auch in Mathematik, dass der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die zur leistungsschwachen Gruppe zählen, im Zehnjahresvergleich signifikant gestiegen ist (von 22 auf 28 %), während sich der Anteil in der leistungsstarken Gruppe im gleichen Zeitraum ebenfalls signifikant verringert hat (von 12 auf 8 %).
Computergestütztes Problemlösen
In computergestütztem Problemlösen erzielen die Jugendlichen in Österreich 509 Punkte. Wie in Lesen liegen die Kompetenzen damit signifikant, aber nicht praktisch bedeutsam, über dem OECD-Schnitt (+9 Punkte) sowie praktisch bedeutsam über dem EU-Schnitt (+18 Punkte).
In Österreich zählen 29 % der Schülerinnen und Schüler in computergestütztem Problemlösen zur leistungsstarken Gruppe und 20 % zur leistungsschwachen Gruppe. Im OECD-Schnitt betragen die entsprechenden Anteile 26 % (leistungsstark) bzw. 23 % (leistungsschwach) und im EU-Schnitt sind es 24 % in der leistungsstarken bzw. 25 % in der leistungsschwachen Gruppe. In Österreich ist computergestütztes Problemlösen der einzige Bereich, in dem die leistungsstarke Gruppe größer ist als die leistungsschwache.
Im OECD-Schnitt befinden sich in der leistungsstarken und in der leistungsschwachen Gruppe annähernd gleich viele Schülerinnen und Schüler wie in Österreich; im EU-Schnitt ist die leistungsstarke Gruppe etwas kleiner und die leistungsschwache Gruppe etwas größer als in Österreich. Unter den 43 OECD-/EU-Ländern reiht sich Österreich in Bezug auf die Höhe des Anteils in der leistungsstarken Gruppe im oberen Länderdrittel ein und im unteren Länderdrittel, wenn es um die Höhe des Anteils in der leistungsschwachen Gruppe geht.
Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit
Für den Bereich der Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit liefert PISA traditionell vielfältige Informationen, wie sich die Schülerinnen- und Schülerkompetenzen hinsichtlich ihrer primären Familiensprache, ihrer soziale Herkunft und/oder ihres Geschlechts unterscheiden. Ziel einer auf Chancengerechtigkeit fokussierten Bildungspolitik ist es, jeweils möglichst geringe Kompetenzunterschiede nach den Merkmalen Geschlecht, soziale Herkunft und Familiensprache – bei insgesamt hohem Leistungsniveau – aufzuweisen.
Geschlecht
In Österreich zeigen sich in Lesen, sowie in Mathematik und computergestütztem Problemlösen praktisch bedeutsame Geschlechterdifferenzen. In Lesen übertreffen die Mädchen ihre Alterskollegen um 26 Punkte. In Mathematik und computergestütztem Problemlösen schneiden die Burschen um 23 bzw. 17 Punkte besser ab als die Mädchen. In Naturwissenschaft unterscheiden sich die Kompetenzen der beiden Geschlechter nicht bedeutsam (3 Punkte zugunsten der Burschen).
In Mathematik ist die Geschlechterdisparität in Österreich zugunsten der Burschen im OECD-/EU-Vergleich besonders hoch ausgeprägt. Der Kompetenzunterschied liegt über dem OECD- und EU-Schnitt und zählt zu den größten Differenzen unter diesen Vergleichsgruppen.
In Lesen übertreffen in Österreich sowie in allen OECD-/EU-Ländern mit Ausnahme von Mexiko die Mädchen die Burschen praktisch bedeutsam. Das Ausmaß der Differenz von Österreich liegt im OECD-Schnitt und unter dem EU-Schnitt.
In computergestütztem Problemlösen übertreffen die Burschen die Mädchen um 17 Punkte, womit Österreich im OECD- und EU-Schnitt liegt. In etwa der Hälfte der OECD-/EU-Länder gibt es keine praktisch bedeutsamen Unterschiede, während in keinem Land die Mädchen höhere Mittelwerte erreichen, die über der Grenze zur praktischen Bedeutsamkeit liegen.
So wie in der Mehrheit der OECD-/EU-Länder (und im OECD- und EU-Schnitt) gibt es in Österreich in Naturwissenschaft keine praktisch bedeutsamen Kompetenzdisparitäten nach Geschlecht.
Im Zeitverlauf für Österreich betrachtet gibt es seit 2018 in Naturwissenschaft keine Geschlechterdifferenzen mehr (2015 betrug der Vorsprung zugunsten der Burschen 19 Punkte). Sowohl in Mathematik als auch in Lesen sind die Geschlechterdisparitäten in den letzten zehn Jahren unverändert hoch geblieben. In Lesen schwanken diese zwischen 20 und 28 Punkten zugunsten der Mädchen und in Mathematik zwischen 13 und 27 Punkten zugunsten der Burschen.
Sozialstatus
In Österreich sowie in allen 43 teilnehmenden OECD-/EU-Ländern erzielen Schülerinnen und Schüler mit hohem Sozialstatus in allen vier Kompetenzbereichen praktisch bedeutsam höhere Kompetenzen als jene, die einen niedrigen Sozialstatus aufweisen. In Naturwissenschaft ist dieser Kompetenznachteil in Österreich mit 98 Punkten Unterschied am größten ausgeprägt. In Lesen beträgt der Vorsprung der Jugendlichen mit hohem Sozialstatus 82 Punkte, in Mathematik 81 Punkte und in computergestütztem Problemlösen 59 Punkte.
Die Differenz von 98 Punkten in Naturwissenschaft zwischen Jugendlichen mit einem hohen im Vergleich zu einem niedrigen Sozialstatus entspricht über einer Kompetenzstufe. Unter den 43 OECD-/EU-Ländern ist diese Differenz nur in Luxemburg und Deutschland deutlich höher ausgeprägt. In Naturwissenschaft sind die herkunftsbezogenen Disparitäten in Österreich damit signifikant größer als im OECD- und EU-Schnitt, während in Lesen, Mathematik und computergestütztem Problemlösen die Chancengerechtigkeit in Bezug auf die soziale Herkunft im OECD-Schnitt und auch im EU-Schnitt liegt.
Im Trendverlauf zeigt sich für Österreich, dass die soziale Ungleichheit in Naturwissenschaft nach einem Höchstwert bei PISA 2022 (124 Punkte Unterschied zwischen den beiden Gruppen) aktuell wieder in etwa so hoch ist wie vor zehn Jahren (97 Punkte Unterschied). Die Verringerung der sozialen Disparitäten zwischen 2022 und 2025 ist auf einen Anstieg des Kompetenzniveaus unter den Schülerinnen und Schülern mit niedrigem Sozialstatus zurückzuführen.
Dieses Muster – Höchstwert an sozialer Ungleichheit bei PISA 2022 gefolgt von einem Rückgang auf das Niveau von vor zehn Jahren – zeigt sich auch in Lesen. Im Gegensatz zu Naturwissenschaft lässt sich der Rückgang in Lesen allerdings dadurch erklären, dass es in der Gruppe mit hohem Sozialstatus zu einem starken Absinken der Kompetenz kommt, während Jugendliche mit niedrigem Sozialstatus 2022 und 2025 eine ähnlich hohe Lesekompetenz aufweisen.
Und auch in Mathematik zeigt sich im Zeitverlauf, dass sich die soziale Ungleichheit nach PISA 2022 wieder auf dem Niveau von vor zehn Jahren einpendelt. Wie in Lesen ist dies vor allem auf einen Rückgang der Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit hohem Sozialstatus zurückzuführen.
Familiensprache
In Österreich sprechen 26 % der Schülerinnen und Schüler zuhause in der Familie eine andere Sprache als Deutsch. Die Kompetenzen dieser Jugendlichen sind in allen vier Kompetenzbereichen praktisch bedeutsam niedriger als die Kompetenzen jener, die in der Familie Deutsch sprechen. In Naturwissenschaft beträgt der Unterschied 79 Punkte; unter Berücksichtigung des Sozialstatus reduziert sich dieser auf 50 Punkte. In Lesen ist ihr Kompetenzwert um 68 Punkte geringer (43 Punkte nach Kontrolle des Sozialstatus); in Mathematik um 60 Punkte (35 Punkte nach Kontrolle des Sozialstatus) und in computergestütztem Problemlösen um 42 Punkte (23 Punkte nach Kontrolle des Sozialstatus).
Im Zeitverlauf lässt sich für Österreich Folgendes festhalten: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit anderer Familiensprache ist in den vergangenen zehn Jahren von 19 auf 26 % gestiegen. Im Vergleich zu PISA 2022 lässt sich für Österreich bei PISA 2025 in jeder Domäne eine tendenzielle Verringerung der Mittelwertdifferenz nach Familiensprache erkennen.
In Naturwissenschaft und Lesen pendeln sich damit die Disparitäten nach einem Höchstwert im Jahr 2022 wieder auf das Niveau von vor zehn Jahren ein. In Mathematik ist der Unterschied seit 2015 kontinuierlich zurückgegangen. Diese positive Entwicklung kommt dadurch zustande, dass sich die Kompetenzen von Jugendlichen mit anderer Familiensprache günstiger (bzw. weniger negativ) entwickelt haben als die Kompetenzen von jenen mit Deutsch als Familiensprache.
Während in Naturwissenschaft die Kompetenzen von Jugendlichen mit anderer Familiensprache tendenziell gestiegen sind und die Kompetenzen jener mit Deutsch als Familiensprache annähernd gleichgeblieben sind, zeigt sich in Lesen und Mathematik ein Kompetenzrückgang unter den Jugendlichen mit Deutsch als Familiensprache. Unter Kontrolle des Sozialstatus ergibt sich in keinem Kompetenzbereich mehr eine statistisch bedeutsame Veränderung zwischen diesen beiden Gruppen in den letzten drei Jahren. Der Rückgang der sprachbezogenen Disparitäten in den letzten Jahren lässt sich also durch die Verringerung der Differenzen im Sozialstatus zurückführen: Der Sozialstatus der Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Familiensprache hat sich von 2022 auf 2025 tendenziell erhöht. Damit wird deutlich, dass die soziale Herkunft eine Triebfeder für Kompetenzunterschiede nach dem Sprachhintergrund ist.
Informationen zu PISA
E-Mail: pisa@iqs.gv.at